Alphaville und die Neue Philharmonie Frankfurt beendeten das Classic Open Air 2026 auf dem Gendarmenmarkt. Marian Gold erzählte von seinen West-Berliner Jahren, großen Träumen und dem Weg zum Welterfolg – begleitet von einer Stimme, die an diesem Abend ebenso beeindruckte wie die symphonischen Arrangements.
Ich liebe das Classic Open Air in Berlin. Seit seiner Premiere mit José Carreras im Jahr 1992 gehört das Festival zum sommerlichen Kulturkalender der Hauptstadt. Es besteht damit seit 34 Jahren – und ist noch immer da. Auch 2026 verwandelte die Konzertreihe den Gendarmenmarkt an sechs Abenden in einen der schönsten Freiluft-Konzertsäle der Stadt.
Kaum ein anderer Ort könnte dafür passender sein. Der Gendarmenmarkt liegt zwischen Deutschem und Französischem Dom, während die Bühne unmittelbar vor der Freitreppe des Konzerthauses steht. Sobald die Dunkelheit einsetzt und die historischen Gebäude beleuchtet werden, entsteht eine Atmosphäre, die man in einer gewöhnlichen Konzerthalle kaum nachbilden könnte.
Am Morgen hatte es angesichts des starken Regens zunächst nicht nach einem perfekten Festivalfinale ausgesehen. Doch der Tag entwickelte sich immer besser. Am Abend war es weder zu heiß noch zu kalt, der Regen war verschwunden und Berlin präsentierte genau das angenehme Open-Air-Wetter, das man sich für einen solchen Konzertabend wünscht.
🎶 Kurz zusammengefasst
Alphaville beendeten am Dienstag, 14. Juli 2026, gemeinsam mit der Neuen Philharmonie Frankfurt das diesjährige Classic Open Air auf dem Berliner Gendarmenmarkt. Suena eröffnete den Abend pünktlich um 19:30 Uhr am Klavier und beendete ihren Auftritt gegen 19:50 Uhr. Nach der Umbaupause betraten Alphaville und das Orchester um 20:30 Uhr die Bühne.
Der Abend stand unter dem Motto Träume und Berlin. Marian Gold verband Songs aus mehr als vier Jahrzehnten mit Erzählungen über seine Zeit im früheren West-Berlin, das Leben in besetzten Häusern, Gelegenheitsjobs und den zunächst kaum realistisch erscheinenden Traum von einer internationalen Musikkarriere.
Musikalisch führte das Konzert von „Summer in Berlin“, „Big in Japan“, „A Victory of Love“ und „Sounds Like a Melody“ über „Summer Rain“, „Moongirl“, „Lassie Come Home“, „Eternally Yours“ und „Apollo“ bis zum großen Finale mit „Forever Young“. Als Zugabe folgte „Pandora’s Lullaby“.
Einen Überblick über die gesamte Konzertreihe gibt es im BerlinMagazine.de-Guide zum Classic Open Air 2026.
🎹 Suena eröffnet den Abend mit moderner Romantik
Pünktlich um 19:30 Uhr gehörte die Bühne zunächst Suena. Die Produzentin, Songwriterin und Pianistin hat bereits mit Künstlern wie Apache 207, Herbert Grönemeyer, Ikkimel und Capital Bra gearbeitet. Beim Classic Open Air zeigte sie jedoch eine andere, deutlich stärker von klassischer Musik und moderner Filmmusikästhetik geprägte Seite.
Am Klavier verband sie romantische Klangwelten mit zeitgemäßen Produktionsideen. Ihr Soloprojekt „Instincta“ soll über Sony Classical erscheinen; der Auftritt auf dem Gendarmenmarkt war als ihre erste öffentliche Livepräsentation am Klavier angekündigt worden. Was soll ich sagen, gut gemacht, die Kompositionen und der Auftritt.
Gegen 19:50 Uhr endete ihr kompakter Auftritt. Danach folgte eine rund 40-minütige Umbaupause, während sich die Sitzreihen weiter füllten und die Spannung vor dem eigentlichen Abschlusskonzert spürbar zunahm.
Um 20:30 Uhr beginnt Alphavilles Berliner Geschichte
Um 20:30 Uhr betraten Alphaville und die Neue Philharmonie Frankfurt gemeinsam die Bühne. Ich habe Alphaville bereits einige Male live erleben dürfen, doch in Verbindung mit einem großen Orchester war es auch für mich eine Premiere. Und um es vorwegzunehmen: Diese Premiere ist aus meiner Sicht ausgesprochen gelungen.
Alphaville brachten viele Titel mit, die auch im regulären Tourprogramm vorkommen. Einige Songs waren jedoch speziell für diesen Abend und das Zusammenspiel mit dem Orchester arrangiert worden. Die Neue Philharmonie Frankfurt spielte dabei nicht lediglich im Hintergrund, sondern wurde zu einem gleichberechtigten Teil der Musik. Die Streicher, Bläser und großen dynamischen Steigerungen gaben den elektronischen Klangwelten zusätzliche Wärme, Tiefe und Dramatik. Das Orchester war offiziell für das symphonische Festivalfinale angekündigt worden.
Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich, dass dies keine gewöhnliche Best-of-Show werden sollte. Marian Gold kündigte einen Abend über Träume und Berlin an. Aus den Songs, seinen Moderationen und den symphonischen Übergängen entstand eine zusammenhängende Geschichte.
Marian Gold ist das Zentrum von Alphaville
Alphaville besteht heute selbstverständlich nicht nur aus einem Sänger. Zur aktuellen Liveband gehören Carsten Brocker an Keyboards und elektronischen Instrumenten, Gitarrist Lars Kutschke, Schlagzeuger Jakob Kiersch, Bassistin Alexandra Merl sowie die Backgroundsängerinnen Elisabeth Markstein und Ulrike Weidemüller.
Und doch ist Alphaville heute in besonderem Maße Marian Gold. Er gründete die Band 1983 gemeinsam mit Bernhard Lloyd und Frank Mertens. Mertens verließ die Gruppe bereits Ende 1984 nach dem Erfolg des Debütalbums, Bernhard Lloyd schied 2003 offiziell aus. Gold blieb über alle Veränderungen hinweg Sänger, Hauptkomponist, Texter, Frontmann und das einzige durchgehend aktive Gründungsmitglied. Die Band selbst bezeichnet ihn als ihren langjährigen Kern.
An diesem Abend erschien der Satz „Marian Gold ist Alphaville und Alphaville ist Marian Gold“ daher nicht übertrieben. Nicht, weil die Musiker an seiner Seite unwichtig wären. Vielmehr verbindet seine Stimme die frühen Kelleraufnahmen, den weltweiten Durchbruch der 1980er-Jahre und die heutige symphonische Phase miteinander.


Fotos: © Dennis Hahn
Vom West-Berliner Straßenleben zum weltweiten Erfolg
Der Abend war wie eine Erzählung über Marian Golds eigenen Weg aufgebaut. Er berichtete von der Zeit, in der er nach West-Berlin kam, zeitweise auf der Straße und in besetzten Häusern lebte und sich unter anderem mit Arbeiten auf dem Bau über Wasser hielt.
Gleichzeitig hatte er einen Traum: Musik zu machen, damit erfolgreich zu werden und irgendwann auf Bühnen in aller Welt zu stehen. Unter den damaligen Umständen muss diese Vorstellung nahezu unrealistisch gewirkt haben. Mehr als vier Jahrzehnte später stand er auf dem Gendarmenmarkt, vor einem großen Publikum und begleitet von einem Symphonieorchester.
Geschafft? Ohne Zweifel.
Der Traum ist ohnehin ein wiederkehrendes Thema in Alphavilles Musik. Auch bei der Veröffentlichung des symphonischen Albums „Eternally Yours“ beschrieb Gold die Welt der Band als eine Art nie endenden Traum, in dessen Fragmente die Zuhörer eintauchen können.
„Summer in Berlin“ als perfekter Auftakt
Der Alphaville-Teil begann gleich an zweiter Stelle mit „Summer in Berlin“. Für diesen Ort, diesen Abend und das übergeordnete Thema hätte es kaum einen besseren Einstieg geben können. Ein Song über Berlin erklang zwischen den beiden Domen, vor dem Konzerthaus und an einem überraschend angenehmen Sommerabend.
Die orchestrale Fassung machte bereits zu Beginn deutlich, in welche Richtung die Show gehen würde. Die elektronischen Ursprünge blieben erhalten, wurden jedoch durch Streicher, Bläser und größere Spannungsbögen erweitert. Aus Synthie-Pop wurde keine klassische Musik im engeren Sinne, sondern eine eigenständige Verbindung beider Welten.
„Summer in Berlin“ steht auch auf dem 2022 veröffentlichten Symphonic-Album „Eternally Yours“. Für dieses Album hatten Marian Gold und seine Arrangeure zahlreiche Titel aus vier Jahrzehnten neu für ein großes Orchester ausgearbeitet.
„Big in Japan“ und die Eisverkäuferin aus der Hasenheide
Schon früh folgte „Big in Japan“. Vor dem Song erzählte Marian Gold von einer jungen Eisverkäuferin in der Hasenheide, in die er sich damals verliebt hatte. Sie hatte einen drogenabhängigen Freund und befand sich offenbar selbst in einem Umfeld, das von Sucht, Abhängigkeit und Hoffnungslosigkeit bestimmt war.
Aus dieser Begegnung entstand eine Geschichte über Menschen, die davon träumen, ihrer Realität zu entkommen. Die triumphal klingende Titelzeile steht im Kontrast zu einem Leben, in dem der große Ausbruch kaum möglich erscheint.
Diese persönliche Berliner Geschichte verlieh dem weltbekannten Song an diesem Abend eine zusätzliche Ebene. „Big in Japan“ war nicht länger nur ein Synthie-Pop-Klassiker, den nahezu jeder im Publikum kannte. Der Titel wurde wieder mit einem konkreten Ort, einer Person und einer Erinnerung aus West-Berlin verbunden.
Natürlich wurde bereits hier kräftig mitgesungen. Gleichzeitig zeigte die Neue Philharmonie Frankfurt, wie viel Dramatik in dem Song steckt, wenn seine vertrauten Synthesizerflächen durch den Klang eines großen Orchesters erweitert werden.
„A Victory of Love“ und „Sounds Like a Melody“
Mit „A Victory of Love“ und „Sounds Like a Melody“ folgten zwei weitere frühe Klassiker. Besonders diese Songs profitierten von der symphonischen Umsetzung. Ihre großen Melodien und emotionalen Steigerungen waren schon in den ursprünglichen Fassungen angelegt, wirkten mit dem Orchester aber noch weitläufiger.
Bei „Sounds Like a Melody“ rückten die Streicher die romantische Seite des Stücks stärker in den Mittelpunkt. Gleichzeitig blieb die charakteristische elektronische Energie erhalten. Die Neue Philharmonie Frankfurt überdeckte den Alphaville-Sound nicht, sondern machte seine kompositorische Größe hörbarer.
Die drei Welthits „Big in Japan“, „Sounds Like a Melody“ und „Forever Young“ stammen vom Debütalbum aus dem Jahr 1984. Für „Eternally Yours“ wurden alle drei später in neuen symphonischen Fassungen aufgenommen.


Fotos: © Dennis Hahn
Eine Stimme, die mich an Meat Loaf erinnerte
Was mich an diesem Abend besonders beeindruckte, war Marian Golds Stimme. Sie war voluminös, unverwechselbar und selbst gegenüber dem großen Orchester stets präsent. Gold musste nicht gegen die Neue Philharmonie Frankfurt ansingen. Seine Stimme schwebte über dem Orchester, setzte sich in den kraftvollen Momenten durch und klang in den ruhigeren Passagen zugleich verletzlich.
Mehrfach fühlte ich mich an Meat Loaf erinnert. Natürlich stammen beide Künstler aus völlig unterschiedlichen musikalischen Welten: Alphaville stehen für elektronischen Synthie-Pop, Meat Loaf für bombastischen Rock und große Rockopern. Die Ähnlichkeit liegt für mich nicht im Genre und auch nicht in einer identischen Klangfarbe.
Beide Stimmen besitzen aber eine besondere dramatische Qualität. Sie erzählen Songs fast wie kleine Bühnenstücke, bauen Spannung auf und wechseln zwischen leisen, zerbrechlichen Passagen und großen emotionalen Ausbrüchen. Gerade mit einem Orchester trat diese Seite von Marian Gold besonders deutlich hervor.
Die symphonischen Arrangements ließen ihm viel Raum für diese Erzählweise. Auf „Eternally Yours“ wurde genau diese Verbindung aus Golds Stimme, dem ursprünglichen Alphaville-Sound und der Kraft eines Symphonieorchesters zum zentralen Konzept.
🌙 Der Gendarmenmarkt verändert sich mit der Dunkelheit
Je später der Abend wurde und je weiter die Sonne verschwand, desto stärker entwickelte der Gendarmenmarkt seinen ganz eigenen Charme. Die Fassaden des Deutschen und Französischen Doms wurden beleuchtet, ihre Statuen zeichneten sich gegen den dunkler werdenden Himmel ab und das Konzerthaus bildete hinter der Bühne die perfekte Kulisse.
Die Verbindung aus klassischer Architektur, Orchesterklang und Alphavilles elektronischer Musik war etwas Besonderes. In manchen Momenten wirkte das Konzert wie ein Soundtrack für einen großen Kinofilm. In anderen erinnerte die Musik an die emotionale Weite moderner Disney- oder Hollywood-Produktionen.
Damit hatte Marian Gold zu Beginn recht behalten: Es ging an diesem Abend um Träume und um Berlin. Die Kulisse war nicht nur ein schöner Hintergrund, sondern wurde mit zunehmender Dunkelheit zu einem Teil der Inszenierung.

Foto: © Dennis Hahn
„Summer Rain“, „Moongirl“ und „Lassie Come Home“
Mit „Summer Rain“, „Moongirl“ und „Lassie Come Home“ rückten anschließend Songs in den Mittelpunkt, die außerhalb der größten Alphaville-Hits seltener im Radio zu hören sind. Gerade dadurch erhielt der Abend zusätzliche Tiefe und wurde nicht zu einer bloßen Abfolge der bekanntesten Singles.
„Summer Rain“ stammt aus der Phase des 1989 veröffentlichten Albums „The Breathtaking Blue“. Bereits damals erweiterte Alphaville den reinen Synthesizer-Sound um eine breitere Instrumentierung. In der symphonischen Fassung konnte sich diese Offenheit besonders gut entfalten.
„Moongirl“ gehört zu den späteren Stücken der Band und erschien ursprünglich im Umfeld der 2003 veröffentlichten „CrazyShow“-Sammlung. Die traumartige Atmosphäre passte hervorragend zum Konzept des Abends und zur inzwischen vollständig beleuchteten Kulisse des Gendarmenmarkts.
„Lassie Come Home“ stammt aus dem Jahr 1986. In seiner ausgedehnten symphonischen Form konnte sich der Song langsam entwickeln, anstatt lediglich auf einen schnellen Wiedererkennungseffekt zu setzen. Alle drei Titel gehören auch zum Repertoire des Symphonic-Albums „Eternally Yours“.
Die Songs standen nicht isoliert nebeneinander. Marian Golds Moderationen stellten immer wieder Verbindungen zu seinem Leben, zu Berlin und zur Idee des Träumens her. Dadurch wirkte das Konzert tatsächlich wie eine zusammenhängende Geschichte.
„Eternally Yours“: Beständigkeit und Vergänglichkeit
Der Titelsong „Eternally Yours“ durfte selbstverständlich nicht fehlen. Das Stück wurde eigens für das gleichnamige Symphonic-Projekt geschrieben. Marian Gold verfasste den Text nicht auf herkömmliche Weise, sondern stellte ihn aus Gedanken und Zeilen der Sonette William Shakespeares zusammen und passte sie für den Gesang an.
Inhaltlich beschäftigt sich das gesamte Album mit Beständigkeit und Vergänglichkeit. Genau diese beiden Themen schwebten auch über dem Konzertabend. Die Songs sind seit Jahrzehnten bekannt und wirken vertraut, doch Menschen, Städte und Lebenswege verändern sich.
Auf dem Gendarmenmarkt klang „Eternally Yours“ deshalb wie eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der junge Mann, der einst in West-Berlin von einer Musikkarriere träumte, sang nun vor dem Konzerthaus einen Titel über das, was bleibt – und das, was irgendwann vergeht.
„Apollo“ wächst mit dem Orchester
Auch „Apollo“ gehörte zum Programm. Der Song stammt ursprünglich vom 1994 veröffentlichten Album „Prostitute“ und bildet dort den langen Abschluss. Bereits in seiner ursprünglichen Form besitzt das Stück einen epischen Charakter, der sich für eine orchestrale Umsetzung geradezu anbietet.
Mit der Neuen Philharmonie Frankfurt wuchs „Apollo“ noch einmal deutlich. Die Musik entwickelte jene große, beinahe filmische Wirkung, die den gesamten Abend prägte. Hier wurde besonders hörbar, warum die Verbindung von Alphaville und Symphonieorchester nicht wie ein nachträglich aufgesetztes Crossover-Konzept wirkte.
Viele Songs der Band tragen die Größe eines Orchesters bereits in ihren Melodien. Die symphonischen Arrangements machten diese Anlage sichtbar, ohne den ursprünglichen Charakter der Titel zu verlieren.
✨ „Forever Young“ als großer Höhepunkt
Dann ging das Konzert seinem emotionalen Höhepunkt entgegen. Der Marian Gold, der einst in den Straßen und besetzten Häusern West-Berlins gelebt hatte, stand mehr als vier Jahrzehnte später vor einem großen Orchester und sang „Forever Young“.
Der internationale Durchbruch war bereits mit „Big in Japan“ gelungen. Doch „Forever Young“ wurde langfristig zu jenem Song, der Alphaville endgültig über Generationen und Landesgrenzen hinweg bekannt machte. Das Lied hat seine Entstehungszeit längst überlebt und wurde immer wieder von neuen Zuhörern entdeckt.
Das Publikum stand – nicht zum ersten Mal an diesem Abend – und sang im großen Chor mit. Vermutlich möchte nicht jeder tatsächlich für immer jung sein. Aber der Wunsch, besondere Momente festzuhalten und geliebte Menschen oder Erinnerungen nicht zu verlieren, dürfte an diesem Abend viele miteinander verbunden haben.
Und vielleicht wünschten sich in diesem Augenblick tatsächlich einige, dass auch dieser Konzertabend noch lange weitergehen würde.
Die symphonische Fassung ließ „Forever Young“ groß und feierlich erscheinen, ohne seine Melancholie zu verdrängen. Das Orchester trug die Melodie über den Gendarmenmarkt, während Marian Golds Stimme noch einmal all jene Eigenschaften vereinte, die mich den ganzen Abend beeindruckt hatten: Kraft, Wiedererkennungswert, Verletzlichkeit und dramatischen Ausdruck.
Chapeau.


Fotos: © Dennis Hahn
„Pandora’s Lullaby“ als ungewöhnliche Zugabe
Nach „Forever Young“ war der Abend noch nicht ganz beendet. Als Zugabe folgte „Pandora’s Lullaby“. Der Song erschien ursprünglich auf dem Album „Salvation“ von 1997 und beschließt dort den regulären Albumteil.
Die Wahl war bemerkenswert. Statt nach dem größten Hit noch einen weiteren schnellen Publikumsklassiker anzuhängen, verabschiedeten sich Alphaville und das Orchester mit einem ruhigeren und atmosphärischen Stück.
So endete das Konzert nicht mit einem weiteren Paukenschlag, sondern eher wie eine Geschichte, deren letzte Seite langsam umgeblättert wird. Anschließend wurde das Publikum in den milden Berliner Sommerabend entlassen.
🎼 Gespielte Songs nach meinen Notizen
Die folgende Reihenfolge umfasst die von mir während des Abends festgehaltenen Titel:
- Dream Machine
- Summer in Berlin
- Big in Japan
- A Victory of Love
- Sounds Like a Melody
- Welcome to the Sun
- Elegy
- Summer Rain
- Moongirl
- Lassie Come Home
- Eternally Yours
- Apollo
- Forever Young
Zugabe:
- Pandora’s Lullaby
Ein großer Teil dieser Auswahl findet sich auch auf dem 2022 veröffentlichten Symphonic-Album „Eternally Yours“. Dort wurden insgesamt 23 Titel aus verschiedenen Phasen der Bandgeschichte für Orchester neu arrangiert.

Fazit: Träume können wahr werden
Für mich war es ein großartiger Abend. Ich hatte Alphaville bereits mehrfach live gesehen, aber die Verbindung mit der Neuen Philharmonie Frankfurt gab den Songs eine neue Dimension. Die Musik wirkte stellenweise wie ein großer Film- oder Disney-Soundtrack, ohne dass der ursprüngliche Alphaville-Charakter verloren ging.
Besonders beeindruckt hat mich Marian Gold. Seine Stimme war an diesem Abend nicht nur wiederzuerkennen, sondern wirklich außergewöhnlich: voluminös, dramatisch, emotional und erstaunlich präsent. Das Orchester nahm ihr nichts von ihrer Wirkung, sondern ließ sie noch größer erscheinen.
Dazu kam diese Kulisse. Der immer dunkler werdende Gendarmenmarkt, die beleuchteten Dome, die Statuen, das Konzerthaus und die laue Berliner Sommerluft bildeten gemeinsam mit der Musik ein Gesamtbild, das lange in Erinnerung bleiben dürfte.
Marian Gold hatte zu Beginn angekündigt, dass es an diesem Abend um Träume und um Berlin gehen würde. Am Ende passte alles zusammen: der junge Mann, der einst im West-Berlin der besetzten Häuser lebte, sein scheinbar unrealistischer Traum von einer Musikkarriere, die Welthits und schließlich „Forever Young“ mit Symphonieorchester auf einem der schönsten Plätze der Hauptstadt.
Träume können wahr werden. Dieser Abend war der Beweis.
Faktenbox: Alphaville beim Classic Open Air 2026
Konzert: Alphaville Symphonic
Datum: Dienstag, 14. Juli 2026
Ort: Gendarmenmarkt, Berlin-Mitte
Festival: Classic Open Air Berlin 2026
Einlass: 17:30 Uhr
Beginn: 19:30 Uhr
Suena: 19:30 bis etwa 19:50 Uhr
Beginn Alphaville: etwa 20:30 Uhr
Hauptact: Alphaville mit Marian Gold
Orchester: Neue Philharmonie Frankfurt
Eröffnung: Suena am Klavier
Motto des Abends: Träume und Berlin
Höhepunkte: „Big in Japan“, „Sounds Like a Melody“, „Eternally Yours“, „Apollo“ und „Forever Young“
Zugabe: „Pandora’s Lullaby“
Besonderheit: symphonische Arrangements aus mehr als vier Jahrzehnten Bandgeschichte
Classic Open Air: erstmals 1992 auf dem Gendarmenmarkt veranstaltet
❓ FAQ zum Alphaville-Konzert in Berlin
Wann spielten Alphaville beim Classic Open Air 2026?
Alphaville traten am Dienstag, 14. Juli 2026, zum Abschluss des sechstägigen Classic Open Air auf dem Berliner Gendarmenmarkt auf. Der Konzertabend begann um 19:30 Uhr.
Welches Orchester begleitete Alphaville?
Alphaville wurden von der Neuen Philharmonie Frankfurt begleitet. Das Orchester präsentierte gemeinsam mit der Band die bekannten Songs in symphonischen Arrangements.
Wer eröffnete den Konzertabend?
Suena eröffnete den Abend am Klavier. Ihr Auftritt begann um 19:30 Uhr und endete gegen 19:50 Uhr.
Welche Songs spielten Alphaville in Berlin?
Zu den gespielten Titeln gehörten „Summer in Berlin“, „Big in Japan“, „A Victory of Love“, „Sounds Like a Melody“, „Summer Rain“, „Moongirl“, „Lassie Come Home“, „Eternally Yours“, „Apollo“ und „Forever Young“. Als Zugabe folgte „Pandora’s Lullaby“.
Ist Marian Gold noch Gründungsmitglied von Alphaville?
Ja. Marian Gold gründete Alphaville gemeinsam mit Bernhard Lloyd und Frank Mertens. Er ist heute das einzige kontinuierlich aktive Gründungsmitglied und weiterhin Sänger, Hauptkomponist und Frontmann der Band.
Gibt es ein symphonisches Album von Alphaville?
Ja. „Eternally Yours“ erschien 2022 und enthält 23 für Orchester arrangierte Alphaville-Titel. Das Album entstand gemeinsam mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg.
Seit wann gibt es das Classic Open Air in Berlin?
Das erste Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt fand 1992 statt und wurde mit José Carreras eröffnet. Im Jahr 2026 liegt die Premiere damit 34 Jahre zurück













