🎭 Berlin, 20. April 2026 – Wenn sich der Vorhang hebt und die ersten bombastischen Takte des titelgebenden Openers durch die Halle peitschen, wird sofort klar: Dieses Format bringt das zusammen, was Musikalliebhaber, aber auch ein musik- und showbegeistere Menschen mögen. „This is the greatest Show“ gastierte gestern im Tempodrom in Berlin und beweist, dass Musical-Konzerte weit mehr sein können als eine bloße Aneinanderreihung von Hits. Es ist eine mehrstündige, visuell beeindruckende Reise durch die gesamte Bandbreite des Genres.
🖼️ Die Bühne: Räumliche Tiefe und digitales Lichtdesign
Das diesjährige Bühnenkonzept unter der Regie von Yara Hassan setzt Maßstäbe in Sachen Atmosphäre. Flankiert von der sechsköpfigen Live-Band, die auf Podesten links und rechts positioniert ist, dominiert ein Triptychon aus Rundbögen das Zentrum. Das Videodesign von Florian Schmitt ist hierbei der heimliche Star: Die Projektionen beschränken sich nicht auf die Leinwand, sondern fließen organisch über die gesamte Bühnenkonstruktion.
Besonders in der „Titanic“-Sequenz entsteht so ein fast magischer Effekt: Wenn das Wasser über die Podestverkleidungen bis nach vorne zum Bühnenrand projiziert wird, wähnt man sich tatsächlich auf dem schwankenden Deck des Ozeanriesen. Unterstützt wird dies durch das Lichtdesign, das von beklemmender Düsternis bis hin zum strahlenden Zirkus-Glanz jeden Moment perfekt ausleuchtet.
👗 Kostüme & Präzision: Glitzer trifft auf Charakter
Hinter den Kulissen hat Sonja Kühn ganze Arbeit geleistet. Die Kostüme fangen die Essenz der jeweiligen Musicals ein, ohne den Abend mit zu viel Opulenz zu erschweren. Ob die edlen Roben der Solisten im Rampenlicht oder die energetischen Outfits des Ensembles – die Ausstattung unterstützt die Storyteller-Qualitäten der Darsteller perfekt. Jeder Aufgang, jede Drehung und jeder Fokuswechsel sitzt. Wenn die Stars wie aus dem Nichts im Spotlight erscheinen, spürt man die millimetergenaue Planung, die dieses Spektakel erst möglich macht.
🎼 Die musikalischen Meilensteine: Von Welthits bis zu Geheimtipps
Was diesen Abend so besonders macht, ist der Mut zur Vielfalt. Die Show klammert sich nicht nur an die großen Blockbuster, sondern gibt auch Nischenwerken Raum.
Der P.T. Barnum-Fokus: „The Greatest Showman“
Natürlich bildet der Film-Erfolg von 2018 den roten Faden. Filippo Strocchi führt die Cast als charismatischer Zirkuspionier an. Sein Barnum ist nicht nur gesanglich brillant, sondern besitzt eine fast greifbare Aura. Der Block mit Hymnen wie „A Million Dreams“, „Come Alive“ und dem kraftvollen „This Is Me“ (grandios interpretiert von Michaela Schober) bildet das emotionale Rückgrat der Show. Hier zeigt sich die ganze Wucht des Ensembles, wenn Tanz und Gesang zu einer Einheit verschmelzen.
Klassiker im neuen Gewand: „Elisabeth“ & „Die Eiskönigin“
Ein echtes Highlight ist die Neuinterpretation bewährter Klassiker. Das ikonische „Ich gehör’ nur mir“ aus dem Musical Elisabeth erklingt nicht als Solo, sondern in einem meisterhaft arrangierten Terzett. Die drei Leading Ladies verleihen der Hymne der Kaiserin eine völlig neue, vielschichtige Dimension. Ebenso überraschend: „Let It Go“ (Lass jetzt los) aus Disneys Die Eiskönigin. Hier liefert die Cast eine viersprachige Version (Italienisch, Niederländisch, Englisch, Deutsch), die die globale Magie dieses Songs unterstreicht.
Düster, modern & gewagt: „Kuss der Spinnenfrau“ & „Death Note“
Dass die Show auch vor schweren Stoffen nicht zurückschreckt, beweist der Ausflug zum Kuss der Spinnenfrau. Mit deutschen Textpassagen und einer beklemmenden Atmosphäre wird hier ein starker Kontrast zum restlichen Glanz gesetzt. Auch moderne Rock-Klänge finden ihren Platz: Das Stück „The Hurricane“ aus dem brandneuen Frank Wildhorn-Musical Death Note zeigt, dass das Genre ständig in Bewegung ist und auch vor düsteren, modernen Stoffen nicht haltgemacht wird.
🌟 Die Solisten: Handwerk trifft auf Leidenschaft
- Verena Mackenberg: Sie ist die Königin der Balladen. Ihre Interpretation von Whitney Houstons „I will always love you“ aus dem Musical Bodyguard war so rein und präzise intoniert, dass man im Saal eine Stecknadel hätte fallen hören können. Sie schafft es, die hohen Belting-Passagen kraftvoll, aber ohne jede Anstrengung zu meistern.
- Prince Damien: Als Special Guest liefert er weit mehr als nur eine „Promi-Einlage“. Sein Auftritt als Michael Jackson (aktuell auch in Hamburg zu sehen) ist eine meisterhafte Hommage. Die Präzision seiner Bewegungen bei „Billie Jean“ ist verblüffend, doch sein A-cappella-Auftritt bei Adeles „Hello“ offenbarte seine wahre stimmliche Qualität.
- Patrick Stanke & Friedrich Rau: Während Stanke mit seiner warmen Stimme und enormen Souveränität besonders in den ruhigen Momenten von Titanic berührt, führt Friedrich Rau als charmanter Host durch den Abend. Sein gefühlvoller Einstieg mit dem Pur-Klassiker aus Abenteuerland sorgte direkt zu Beginn für die ersten Tränen im Publikum.
🏆Dennis’ Schlussakkord – Ein Hochgenuss für die Sinne
„Mal ganz ehrlich unter uns: Man muss kein wandelndes Musical-Lexikon sein, um von diesem Abend begeistert zu sein. Klar, die Experten im Saal erkennen jedes Zitat aus Elisabeth oder Wicked am ersten Akkord, aber das Schöne an ‚This is the greatest Show‘ ist: Die Show holt dich auch dann ab, wenn du einfach nur gute Musik und eine fette Produktion liebst.
Es ist dieser Mix, der es macht. Du sitzt da und denkst: ‚Kenne ich, mag ich‘, wenn die großen Hits aus The Greatest Showman die Halle fazinieren. Und im nächsten Moment packen sie dich mit einem Song aus einem Stück, von dem du noch nie gehört hast, und du kriegst trotzdem diese wohlige Gänsehaut. Es ist eben kein staubiges Theater, sondern ein modernes Entertainment-Spektakel, das sich anfühlt wie ein Stadionkonzert – nur mit viel schöneren Kostümen und Stimmen, die dich bis in die letzte Reihe körperlich treffen.
Was mich am meisten beeindruckt hat? Diese unbändige Energie auf der Bühne. Man spürt in jeder Sekunde, dass die Cast da oben nicht einfach nur einen Job macht, sondern den Moment feiert. Das ist kein steifer Kulturabend, das ist eine mehrstündige Party, die dich den Alltag da draußen in Berlin komplett vergessen lässt.
Mein Urteil: Egal, ob ihr Musical-Fan der ersten Stunde seid oder einfach nur Lust auf einen Abend voller Glanz, Gloria und echtem Handwerk habt – geht hin! Es ist ein Hochgenuss für die Sinne, der beweist, dass Perfektion und pure Lebensfreude keine Gegensätze sind. Berlin hat heute Abend jedenfalls lautstark bewiesen: Wir wollen mehr davon! ✅ Dennis approved“












