Berlin, 16. März 2026 – Es ist eine Einladung, die man mit Vorfreude annimmt: Wenn die japanische Botschaft in ihre Residenz lädt, erwartet die Gäste nicht nur ein diplomatischer Empfang, sondern in diesem Fall auch eine Demonstration höchster kulinarischer Perfektion. Es war nicht das erste Mal, dass sich Japan in diesem exklusiven Rahmen präsentierte, doch die diesjährige Japan Food Show setzte mit ihrem neuen „Produktwelten-Konzept“ neue Maßstäbe für den Austausch zwischen Erzeugern, Gastronomie, Food-Experten und Foodies.
🎎 Tradition trifft Moderne: Das Programm des Abends
Eröffnet wurde der Abend mit einer Begrüßung durch Minister Kunihiko Kawazu, bevor das Wort an die Architekten des kulinarischen Programms überging. Drei Köche, eine gemeinsame Vision: Kristof Mulack (bekannt aus The Taste und Mastermind hinter dem aktuellen Gastro-Konzept des NYX Hotels in Köpenick, über das wir bereits berichteten), Song Lee (Stick’n Sushi) und Ryohsei Kinoshita hatten den Abend gemeinsam konzipiert.
In Fachvorträgen gaben sie Einblicke in ihre Philosophie, bevor die 240 geladenen Gäste die verschiedenen Themenwelten – von Sake und Wagyu bis hin zu grünem Tee und Miso – erkundeten.


Fotos (C)Steffen Sinzinger
🍱 Die Kunst der Perfektion: Was einen Meister ausmacht
Besonders beeindruckend ist bei solchen Events immer wieder die Hingabe, die hinter jedem Handgriff steckt. Das wird nirgends deutlicher als in der Ausbildung zum Itamae (Sushi-Meister).
Wussten Ihr schon? Eine klassische Ausbildung zum Sushi-Meister dauert in Japan oft zehn Jahre. In den ersten Jahren darf ein Lehrling oft nur den Boden wischen oder den Reis waschen und fächeln. Erst nach Jahren der Beobachtung und Übung darf er die erste Garnele vorbereiten – und erst ganz am Ende steht die Kunst des Fischschneidens. Diese Wertschätzung für das Handwerk war an jeder Station des Abends spürbar.
🐄 Das kulinarische Highlight: Wagyu & Kobe
Im Mittelpunkt des Interesses stand natürlich das Fleisch. Ryohsei Kinoshita präsentierte die enorme Bandbreite von Wagyu in bisher wenig bekannten Zubereitungen.
Hintergrund Kobe Beef: Damit sich Fleisch „Kobe“ nennen darf, unterliegen die Tajima-Rinder in der Präfektur Hyōgo strengsten Auflagen. Die Haltung ist legendär für ihren Aufwand: Die Tiere erhalten oft spezielles Futter, werden massiert, um die Marmorierung (das intramuskuläre Fett) perfekt zu verteilen, und leben in einer stressfreien Umgebung. Dieser Aufwand resultiert in der „butterzarten“ Textur, die Jérémy Duval (Head of Sales bei Saltz) an diesem Abend völlig zurecht als „absoluten Volltreffer“ bezeichnete beim Wagyu-Schmorbraten.

Fotos (C)Dennis Hahn / BerlinMagazine.de
🍎 Kristof Mulacks Crossover & Süße Träume
Ein persönliches Highlight waren die Interpretationen von Kristof Mulack. Er schlug die Brücke zwischen den Welten, etwa mit seinem mutigen Crossover aus Udon, Kassler und Sauerkraut.
Auch die Dessert-Welt bot Entdeckungen: Ein Reismehl-Pfundkuchen mit Banane und schwarzen Bohnen, serviert mit einem hauchzarten Apfelchip, bildete den perfekten, nicht zu süßen Abschluss. Es war die Balance zwischen Textur und Aroma, die den Geist der japanischen Küche perfekt widerspiegelte.


Fotos (C)Steffen Sinzinger
🗣️ Networking auf Augenhöhe
Abseits der Teller waren es die Gespräche mit den Erzeugern (u.a. Toyo Rice Corporation, Kinjirushi Wasabi, Itoen), Food-Experten wie Dr. Stefan Elfenbein und passionierten Foodies, die den Abend so wertvoll machten. Der Wissensaustausch über Cold Brew Tees oder die neue Wertigkeit von braunem Reis (Onigiri) zeigte, dass Japan nicht nur Tradition liefert, sondern auch Antworten auf die Trends von morgen.
Fazit: Ein Abend, der einmal mehr bewies, dass die japanische Küche kein Trend ist, sondern eine Lebenseinstellung. Vielen Dank für die Einladung!






Fotos (C)Dennis Hahn / BerlinMagazine.de













